Websites haben seit Jahrzehnten eine Datei für Maschinen an Bord: robots.txt sagt Suchmaschinen-Crawlern, wo sie willkommen sind. Seit einiger Zeit gibt es einen Vorschlag für ein Gegenstück, das sich an KI-Systeme richtet: llms.txt – eine kleine Textdatei an fester Adresse, in der sich eine Website kurz und maschinenfreundlich vorstellt.
Die Idee
Vorgeschlagen hat das Format der Entwickler Jeremy Howard im September 2024. Der Gedanke: Sprachmodelle, die eine Website lesen, kämpfen mit demselben Problem wie ihre Nutzer – begrenztem Kontext. Eine typische Webseite besteht zum Großteil aus Navigation, Werbung und Beiwerk; das Wesentliche ist teuer herauszufischen. llms.txt dreht das um: eine einzige, schlanke Markdown-Datei, die sagt, was diese Site ist und wo die wichtigsten Inhalte liegen.
Das Format ist bewusst simpel: eine Überschrift mit dem Namen, ein Zitatblock mit der Ein-Satz-Zusammenfassung, Linklisten auf die Kerninhalte, optional ein Abschnitt mit Verzichtbarem. Kein neues Protokoll, keine Registrierung – nur eine Textdatei.
Wie es bei uns aussieht
Alle Websites unserer kleinen Familie liefern llms.txt aus, aus einer gemeinsamen Implementierung. Die Fassung dieser Site – abrufbar unter lostcontext.ai/llms.txt – sieht so aus:
# lostcontext.ai
> Aufklärung über künstliche Intelligenz – Nutzen und Risiken,
> Erfahrungen und Einordnung von einem Entwickler, der damit
> Anwendungen baut. Ohne Hype, ohne Panik.
## Seiten
- [Startseite](https://lostcontext.ai/)
## Optional
- [Sitemap – alle URLs der Site](https://lostcontext.ai/sitemap.xml)
Mehr ist es nicht. Der Aufwand lag bei ein paar Zeilen Code, einmal geschrieben, von allen Sites geteilt.
Was es bringt – und was nicht
Hier gehört die kalte Dusche hin: llms.txt ist ein Vorschlag, kein Standard. Kein Gremium hat ihn verabschiedet, und ob die großen KI-Anbieter die Datei beim Crawlen tatsächlich lesen, ist öffentlich nicht belegt – selbst die Projektseite verzichtet auf solche Behauptungen (Stand: Juli 2026). Wer Dir llms.txt als „KI-SEO-Geheimwaffe“ verkauft, verkauft Hoffnung.
Warum wir es trotzdem ausliefern? Die Rechnung ist schlicht. Kosten: eine statische Textdatei, praktisch null Pflege. Möglicher Nutzen: Werkzeuge und Agenten (KI, die selbstständig Arbeitsschritte ausführt), die die Konvention kennen, finden sofort eine saubere Selbstbeschreibung – schon heute nutzen einzelne Dokumentations-Sites das Format aktiv, etwa die Doku des MCP-Protokolls, die ihre KI-Leser direkt auf die eigene llms.txt verweist. Und falls sich die Konvention durchsetzt, sind wir da. Eine freundliche Tür, die wenig kostet: einbauen, nicht viel davon erwarten.
Eine Abgrenzung noch, weil sie oft durcheinandergeht: llms.txt lädt ein und beschreibt – es ist kein Instrument, um KI-Crawler auszusperren. Wer steuern will, welche Bots die Inhalte abgreifen dürfen, tut das weiterhin in robots.txt und über die Nutzungsbedingungen.
Was Du daraus mitnehmen kannst
Wenn Du selbst eine Website betreibst: llms.txt ist ein Nachmittagsprojekt und schadet nicht – solange Du es als das behandelst, was es ist: eine höfliche Visitenkarte für maschinelle Leser mit ungewisser Reichweite, kein Ranking-Hebel. Und wenn Du das nächste Mal liest, ein einfacher Trick mache Websites „KI-sichtbar“: Der Maßstab von dieser Site gilt auch hier – erst prüfen, was belegt ist, dann investieren.
/compact – das Wichtigste, wenn der Kontext knapp ist:
llms.txt ist eine 2024 vorgeschlagene kleine Textdatei an fester Adresse, in der sich eine Website für KI-Systeme kurz und maschinenfreundlich vorstellt – ein Gegenstück zur robots.txt. Es ist ein Vorschlag, kein Standard: Ob die großen KI-Anbieter die Datei tatsächlich lesen, ist nicht belegt, und zum Aussperren von Crawlern taugt sie nicht – das bleibt Sache der robots.txt. Weil sie praktisch nichts kostet, lohnt sie sich als freundliche Tür für Werkzeuge und Agenten, die die Konvention kennen – einbauen, aber nicht viel davon erwarten.