Kein Hexenwerk
Wie ein Computer funktioniert – von Strom an und aus bis zur KI
Für viele wirkt KI wie Zauberei – und oft schon der Computer, auf dem sie läuft. Beides ist kein Hexenwerk.
Ein Computer besteht aus Milliarden winziger Schalter. Jeder kennt nur zwei Zustände: Strom an oder Strom aus. Wie daraus Texte, Bilder und KI werden, zeigt dieses Haus, Stockwerk für Stockwerk.
Keller Bits und Bytes Baujahr 1703
Strom an, Strom aus
Ganz unten gibt es nur Schalter: Strom an oder aus, 1 oder 0.
1 von 4 Stell die Zahl 2 ein.
Jeder Schalter, der an ist, zählt so viel, wie über ihm steht. Zusammengezählt ergibt das eine Zahl.
Zusammen: 64 + 1 = 65
Und Text? Für jedes Zeichen gibt es eine feste Nummer, festgelegt in der Tabelle ASCII – auch für das Leerzeichen und die Ziffern. In ASCII ist die 65 das Zeichen „A“.
Warum 1, 2, 4, 8 … 128?
Jeder neue Schalter verdoppelt die Möglichkeiten – deshalb zählt er doppelt so viel wie sein Nachbar.
Jede Gabel im Baum ist ein Schalter: links aus, rechts an. Jeder Weg vom Stamm zu einer Spitze ist eine Zahl.
- 1 Schalter: 2 Möglichkeiten – aus oder an
- 2 Schalter: 4 Möglichkeiten
- 3 Schalter: 8 Möglichkeiten
- 4 Schalter: 16 Möglichkeiten
- 5 Schalter: 32 Möglichkeiten
- 8 Schalter: 256 Möglichkeiten – ein Byte
- 16 Schalter: 65.536 Möglichkeiten
- 32 Schalter: 4.294.967.296 Möglichkeiten
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Schreibt man für an eine 1 und für aus eine 0, wird aus einer Reihe von Schaltern eine Zahl – und aus der Zahl ein Zeichen, sobald man sich auf eine Tabelle einigt. ASCII ist so eine Tabelle; sie kennt 128 Zeichen, genug für Englisch. Für ä, é und alle anderen Schriften der Welt gibt es heute Unicode, die große Fortsetzung: Darin hat das ä die Nummer 228.
1703 beschrieb Gottfried Wilhelm Leibniz das Rechnen mit nur zwei Ziffern, 0 und 1. 1941 rechnete Konrad Zuses Z3 so, der erste funktionierende, frei programmierbare Computer – mit über 2.000 Relais, also Schaltern, die Strom schalten.
Fachbegriffe
- Bit
- ein Schalter: 0 oder 1
- Byte
- acht Bits, genug für ein Zeichen in ASCII
- Binärzahl
- eine Zahl aus Nullen und Einsen
- ASCII, Unicode
- die Tabellen, die festlegen, welche Nummer welches Zeichen ist
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
Erdgeschoss Logikgatter Baujahr 1937
Schalter, die schalten
Im Erdgeschoss arbeiten Schalter zusammen, wie man es aus dem Alltag kennt.
1 von 4
Lampe an der Steckdosenleiste
Das Licht geht nur an, wenn die Leiste und die Lampe eingeschaltet sind: UND.
Mach das Licht an.
Licht an
Die Punkte in der Leitung sind Elektronen: Strom fließt nur, wenn der Kreis geschlossen ist.
Tipp: beide Schalter umlegen.
Licht im Auto
Das Licht geht an, wenn eine der Türen offen ist: ODER.
Mach das Licht an.
Licht an
Tipp: einen der beiden Schalter umlegen.
Licht im Flur
Das Licht brennt, wenn genau einer der beiden Schalter umgelegt ist: ENTWEDER–ODER.
Mach das Licht an.
Licht an
Tipp: nur einen Schalter umlegen, nicht beide.
Jetzt wird gerechnet
Zusammen können zwei dieser Schaltungen rechnen: UND zeigt den Übertrag, ENTWEDER–ODER die Einerstelle.
Rechne 1 + 1.
Übertrag1
Einer0
1 + 1 = 2 In Schalter-Schrift: 10
Tipp: beide Schalter auf 1 stellen.
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Viele solcher Schaltungen hintereinander zählen auch große Zahlen zusammen; der Prozessor in einem Handy hat Milliarden Schalter.
1937 zeigte Claude Shannon in seiner Abschlussarbeit am MIT, dass Schalter Logik rechnen können – mit UND, ODER und NICHT.
Fachbegriffe
- Logikgatter
- eine Schaltung wie UND, ODER oder NICHT
- AND, OR, XOR
- die englischen Namen von UND, ODER und ENTWEDER–ODER
- Halbaddierer
- die Schaltung, die zwei Bits zusammenzählt
- Transistor
- der elektronische Schalter, aus dem heute alles gebaut ist
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
1. Stock Prozessor Baujahr 1948
Der Angestellte mit den Zetteln
Der Prozessor arbeitet Zettel ab wie ein fleißiger Angestellter: einen nach dem anderen, ohne zu verstehen, wozu.
Reich die Zettel einzeln an. Das Programm rechnet 3 + 4.
- Übertrag auf 0 setzen
CLC - Nimm die Zahl 3 in die Hand
LDA #3 - Zähle 4 dazu
ADC #4 - Lege das Ergebnis in Fach 20
STA $20 - Fertig
BRK
- In der Hand
- 7
- Übertrag
- 0
- Fach 20
- 7
Fertig. In Fach 20 liegt jetzt die 7.
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Auch die Zettel sind nur Zahlen: Für den Prozessor ist „LDA #3“ die Zahlenfolge A9 03. Programm und Daten liegen im selben Speicher – das war die Idee von 1948.
So sah Maschinensprache auf einem Apple II von 1977 aus. Sein Prozessor, ein 6502, hatte rund 3.500 Schalter. Heutige Handy-Prozessoren haben Milliarden und arbeiten Milliarden Zettel pro Sekunde ab.
1948 lief in Manchester zum ersten Mal ein Programm, das im Speicher des Computers selbst stand – so arbeiten Computer bis heute.
Fachbegriffe
- Prozessor (CPU)
- der Angestellte
- Maschinencode, Befehl
- die Zettel
- Assembler
- die Kurzschrift auf den Zetteln: LDA, ADC, STA
- Register, Akkumulator
- die Hand
- Arbeitsspeicher (RAM), Adresse
- die Fächer und ihre Nummern
- Carry-Flag
- der Merkzettel für den Übertrag
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
2. Stock Betriebssystem Baujahr 1956
Die Hausverwaltung
Das Betriebssystem – Windows, Android oder iOS – verwaltet das Haus und verwahrt die Schlüssel für Kamera, Kontakte und Standort.
Apps klopfen an und bitten um Schlüssel. Entscheide selbst.
1 von 4
Die Videoanruf-App möchte die Kamera benutzen.
Erlauben: Passt: Ohne Kamera kein Videoanruf.
Ablehnen: Geht auch: Dann sieht man Dich im Anruf nicht. Du kannst es später in den Einstellungen ändern.
Die Taschenlampen-App möchte Deine Kontakte lesen.
Erlauben: Eine Taschenlampe braucht Deine Kontakte nicht. Diesen Schlüssel besser nicht herausgeben – in den Einstellungen kannst Du ihn zurücknehmen.
Ablehnen: Gut so: Eine Taschenlampe braucht Deine Kontakte nicht.
Die Wetter-App möchte wissen, wo Du bist.
Erlauben: Kann sinnvoll sein – für das Wetter vor Ort. Oft reicht „nur während der Nutzung“.
Ablehnen: Geht auch: Dann gibst Du Deinen Ort selbst ein.
Ein Anrufer bittet Dich, ein Programm zu installieren, damit er Dir helfen kann.
Installieren: Das wäre der Generalschlüssel: Mit einem Fernwartungsprogramm sieht und steuert der Anrufer alles, was Du auch kannst. Seriöse Firmen rufen so nicht an – Auflegen ist hier immer richtig.
Auflegen: Richtig. Wer unaufgefordert anruft und Fernwartung will, hilft nicht.
Schlüsselbrett
- Kamera in Deiner Hand
- Kontakte in Deiner Hand
- Standort in Deiner Hand
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Programme bekommen nur die Schlüssel, die Du herausgibst, und jede Erlaubnis lässt sich in den Einstellungen zurücknehmen.
1956 entstand für den Großrechner IBM 704 eines der ersten Betriebssysteme, GM-NAA I/O.
Fachbegriffe
- Betriebssystem
- die Hausverwaltung: Windows, macOS, Android, iOS
- App, Programm
- ein Mieter im Haus
- Berechtigung
- ein Schlüssel für Kamera, Kontakte oder Standort
- Fernwartung, Fernzugriff
- der Generalschlüssel für Fremde
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
3. Stock Programmiersprache Baujahr 1957
Der Übersetzer
Fachleute schreiben Programme in einer Sprache, die fast wie Englisch aussieht. Ein Übersetzer, der Compiler, macht daraus die Zettel.
Ändere die Zahlen: Aus einer Zeile werden vier Zettel.
ergebnis = 3 + 4
Daraus macht der Übersetzer:
CLCÜbertrag auf 0 setzenLDA #3Nimm die Zahl 3 in die HandADC #4Zähle 4 dazuSTA ergebnisLege das Ergebnis ins Fach „ergebnis“
Ergebnis: 7
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Große Programme bestehen aus Millionen solcher Zeilen. Kein Mensch kennt sie alle, und weil Menschen sie schreiben, haben Programme Fehler.
1957 wurde der erste Übersetzer für FORTRAN ausgeliefert, eine Programmiersprache für Formeln. Heute schreibt kaum noch jemand die Zettel von Hand.
Fachbegriffe
- Programmiersprache
- die Sprache der Fachleute, etwa Python, Java oder C#
- Quelltext
- der Programmtext, den Menschen schreiben
- Compiler
- der Übersetzer
- Variable
- ein Fach mit Namen, etwa „ergebnis“
- Bug, Update
- ein Fehler im Programm und seine Reparatur
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
4. Stock Internet und E-Mail Baujahr 1969
Post zwischen Computern
Computer schicken sich Nachrichten wie Briefe, E-Mails zum Beispiel. Unterwegs prüft niemand, wer sie geschrieben hat.
Schreib als Absender, was Du willst, und schick den Brief ab.
Bitte bestätigen Sie Ihre Kontodaten.
Der Brief reist in vier Paketen, jedes auf eigenem Weg.
Im Postfach des Empfängers
Von: Ihre Bank <service@bank.example>
Bitte bestätigen Sie Ihre Kontodaten.
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Unterwegs wird jede Nachricht in kleine Pakete zerlegt und über viele Verteilzentren weitergereicht. Jedes schaut nur auf die Anschrift und reicht weiter.
So funktioniert E-Mail seit 1982: Der Absender ist eine Textzeile, die der Schreiber selbst ausfüllt. Inzwischen fangen Prüfverfahren viele Fälschungen ab – aber nicht alle, und den angezeigten Namen kann jeder frei wählen.
Eine Ausnahme sind digital signierte E-Mails (S/MIME oder PGP): Beim Öffnen prüft das Mailprogramm, ob die Unterschrift zum Absender passt und die Nachricht unverändert ist.
1969 schickte ein Computer in Los Angeles die erste Nachricht über das ARPANET, den Vorläufer des Internets. Gemeint war „LOGIN“, an kam „LO“ – dann stürzte das System ab.
Fachbegriffe
- Internet
- das Netz der Verteilzentren
- Datenpaket
- ein Teil des Briefs
- Router
- ein Verteilzentrum
- IP-Adresse
- die Hausnummer eines Computers
- E-Mail, Absender (From)
- der Brief und sein Absender, den jeder frei beschreiben kann
- SPF, DKIM, DMARC
- die Prüfverfahren für Absender
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
5. Stock Web und Browser Baujahr 1991
Das Schaufenster
Eine Webseite ist ein Bauplan aus Text, den Dein Browser malt. In Deinen Computer schauen kann sie nicht.
Schau hinter die Warnung – und schreib eine eigene.
WARNUNG!
Ihr Computer ist mit 5 Viren infiziert.
Rufen Sie sofort den Support an!
<div class="alarm">
<p class="head">WARNUNG!</p>
<p>Ihr Computer ist mit 5 Viren infiziert.</p>
<p>Rufen Sie sofort den Support an!</p>
</div>Alle acht Stockwerke geschafft! Auf dem Dach wartet jemand auf Dich. Zum Hausplan
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Mehr ist es nicht: ein paar Zeilen Text, die Dein Browser malt. Ob sie stimmen, prüft niemand.
Eine Webseite kann nicht nachsehen, ob auf Deinem Computer Viren sind. Sie kann nur so tun – mit großer Schrift, roter Farbe und Zeitdruck.
1991 wurde das World Wide Web für alle geöffnet. Seitdem malen Browser Seiten, die ihnen andere Computer schicken.
Fachbegriffe
- Browser
- das Programm, das die Seiten malt: Chrome, Edge, Safari, Firefox
- HTML
- der Bauplan einer Webseite
- Adresse (URL), Domain
- daran erkennt man, wem das Schaufenster gehört
- Pop-up
- ein Fenster, das die Seite selbst malt
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
Dach Künstliche Intelligenz Baujahr 2017
Das nächste Wort
Auch KI ist ein Programm. Es rechnet aus, welches Wort wahrscheinlich als Nächstes kommt – wie die Wortvorschläge Deines Handys, nur viel größer.
Bau einen Satz aus den Vorschlägen.
Ich komme heute
Vorschläge
- etwas später 46 %
- nicht 23 %
- gern vorbei 11 %
- andere Wörter: 20 %
Die Prozentzahlen hier sind ausgedacht, um das Prinzip zu zeigen – echte Wahrscheinlichkeiten zeigt „Der Würfel im Kopf“.
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Weil sie wählt, was wahrscheinlich klingt, schreibt eine KI fehlerfrei und überzeugend – auch dann, wenn etwas nicht stimmt. Und weil auch eine Stimme nur aus Zahlen besteht, kann sie Stimmen nachahmen.
2017 erschien die Bauweise, auf der heutige Sprachprogramme wie ChatGPT, Claude oder Copilot beruhen. Das Dach wird gerade noch ausgebaut.
Fachbegriffe
- Künstliche Intelligenz (KI)
- Programme, die aus Beispielen lernen
- Sprachmodell (LLM)
- die KI, die das nächste Wort wählt
- Token
- ein Wort oder Wortteil, mit dem sie rechnet
- Training
- das Lernen aus riesigen Textmengen
- Halluzination
- ein überzeugend klingender, falscher Satz
- Stimmklon, Deepfake
- eine nachgemachte Stimme oder ein nachgemachtes Bild
Quellen, geprüft am 7. Oktober 2026:
Das ist das ganze Haus: acht Stockwerke, alle von Menschen gebaut – und in keinem wird gezaubert.
Wie das Dach von innen arbeitet, kannst Du im Labor ausprobieren: Der Würfel im Kopf zeigt, wie ein Modell würfelt, und Ein GPT in Zeitlupe macht jeden Rechenschritt sichtbar.